Frisch aus dem Berateralltag: Ein guter Kunde hat mit uns ein langes und intensives Projekt abgeschlossen. Für den finalen Termin gab es den üblichen Aufgalopp, wir mit einem großen Team und auf der anderen Seite eine Menge verantwortliche Manager.

Die Veranstaltung lief ordentlich, am Ende sagte der CEO, er würde gerne die von uns genutzte Software für Forecasting und Budgetkalkulationen im Kundenkontakt auch nach Projektabschluss weiter einsetzen. Wer denn der Eigentümer wäre. Die trockene Antwort eines Kollegen: „Wir“.

Die Stille darauf wirkte länger, als sie wahrscheinlich war. Dann sagte der CEO: „Es gibt also doch Beratungen, die mehr können als buntes Powerpoint“.

Was wie eine launige Bemerkung wirkte, drückt sehr viel aus. Es sind die wesentlichen (Vor?) Urteile über Berater in einem Satz zusammengefasst: Keine Verantwortungsübernahme, kein praktisches Mitarbeiten, viel Besserwisserei und natürlich buntes Powerpoint. Interimsmanager haben da ein ganz anderes Image, denn die nehmen im besten Fall genau diese Themen auf und lösen sie.

Wir, die einen Schwerpunkt in mittelständisch- oder Eigentümer geprägten Unternehmen haben, sehen zunehmend, dass der Markt am liebsten das Beste aus zwei Welten haben möchte und vermutlich auch braucht. Nun liegt es in der Natur der Sache, dass eine Person selten beide Welten in sich trägt. Ein Berater muss eine gesunde Distanz zum Unternehmen haben, um gut beraten zu können. Denn nur aus dieser Distanz lassen sich Muster erkennen und benennen.

Ein Interimsmanager muss sich richtig tief in die Themen einarbeiten und oft da helfen, wo jahrelang niemand vorbei geschaut hat. Ein guter Berater, eine gute Beraterin lernt bei jedem Kunden auch ein wenig mit und kann diese Expertise auch adaptieren. Ein guter Interimsmanager ist stark genug, die Themen zu verändern, die das Unternehmen am Wachstum hindern.

Es ist aus unserer Sicht fast sträflich, dem Kunden nicht ein Angebot aus beiden Welten zu machen. Denn wenn es hier kein gutes Zusammenspiel gibt, wird die Beratung sehr wahrscheinlich verpuffen. Wenn sich der Interimsmanager allerdings die Beratungsergebnisse zu eigen macht, dann kann mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit davon ausgegangen werden, dass die Powerpoints Realität werden und der Auftraggeber einen echten Schritt nach vorne macht.